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Leichenschau App

Digitale Dokumentation & Abrechnung

Willkommen

Diese Anwendung unterstützt Ärztinnen und Ärzte bei der Durchführung der Leichenschau und der Erstellung der vorläufigen Todesbescheinigung.

Funktionen

  • Schritt-für-Schritt-Führung durch die Untersuchung
  • Automatische Validierung der Eingaben
  • Erstellung von PDFs (Rechnung & Protokoll)
  • Sichere lokale Datenhaltung

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Die ärztliche Leichenschau

Eine systemische Analyse klinischer, rechtlicher und digitaler Versorgungsstrukturen im deutschen Bestattungswesen

Die ärztliche Leichenschau stellt innerhalb des bundesdeutschen Gesundheitssystems eine singuläre Schnittstelle zwischen kurativer Medizin, öffentlicher Gesundheitssicherung und staatlicher Rechtspflege dar. Als abschließende ärztliche Handlung am Patienten obliegt ihr die Aufgabe, den Individualtod rechtssicher zu verifizieren, die Identität des Verstorbenen zweifelsfrei zu klären sowie die Kausalkette der Todesursachen und die Klassifikation der Todesart zu bestimmen.[1,2,3]

Trotz ihrer hohen Relevanz für die nationale Mortalitätsstatistik und die Aufdeckung von Tötungsdelikten offenbaren aktuelle Untersuchungen eine krisenhafte Fehlerrate bei der Erstellung von Todesbescheinigungen, was die dringende Notwendigkeit für strukturelle und technologische Innovationen, wie sie durch digitale Validierungsalgorithmen in spezialisierten Applikationen realisiert werden, unterstreicht.[4,5,6]

In einer Rechtslandschaft, die durch sechzehn verschiedene Landesgesetzgebungen geprägt ist, fordert die Durchführung der Leichenschau vom Arzt nicht nur tiefgreifende thanatologische Kenntnisse, sondern auch eine präzise Kenntnis der föderalen Normen und administrativen Pflichten.[7,8]

1. Die gesellschaftliche und rechtliche Architektur der Leichenschau

In der Bundesrepublik Deutschland ist das Leichenschauwesen primär im Kompetenzbereich der Bundesländer angesiedelt, was auf Artikel 70 Absatz 1 des Grundgesetzes basiert.[8] Diese föderale Struktur führt zu einer signifikanten Heterogenität hinsichtlich der Durchführungsfristen, der Formulargestaltung und der spezifischen Meldewege.[9,10,11] Ungeachtet dieser regionalen Differenzen verfolgt der Gesetzgeber mit der Leichenschau Ziele von höchster persönlichkeitsrechtlicher, strafrechtlicher und gesundheitspolitischer Bedeutung. Hierzu zählen die sichere Vermeidung von Scheintodesfällen, die Wahrung der Rechtssicherheit im Erbgang, die epidemiologische Überwachung durch die Todesursachenstatistik sowie die Prävention und Aufdeckung von Straftaten.[1,3,8,12]

Jeder approbierte Arzt ist grundsätzlich dazu verpflichtet, eine Leichenschau vorzunehmen, sobald ihm ein Todesfall angezeigt wird.[1,2,12] Diese Verpflichtung erstreckt sich insbesondere auf niedergelassene Ärzte, Krankenhausärzte und Mediziner im Notfallbereitschaftsdienst.[8,13] Eine Ausnahme besteht für Notärzte im aktiven Rettungsdiensteinsatz, die sich zur Vermeidung von Verzögerungen in der Lebensrettung auf eine vorläufige Todesfeststellung beschränken können, sofern die Durchführung einer vollständigen Leichenschau ihre primären Aufgaben behindern würde.[1,12,14,15] In solchen Fällen muss zeitnah ein zweiter Arzt die umfassende Untersuchung am vollständig entkleideten Leichnam vornehmen.[12,15,16]

Bundeslandspezifische Beispiele
Bundesland (beispielhaft) Gesetzliche Grundlage Besonderheiten bei der Durchführung
Bayern BayBestG & BayBestV Einführung der obligatorischen 2. Leichenschau ab April 2025 [13]
Berlin Bestattungsgesetz Berlin Frist zur äußeren Leichenschau grds. innerhalb von 12 Stunden [11,14]
Bremen LeichWG Bremen Spezialisierte qualifizierte Leichenschauärzte für die 2. Schau [8,11,12]
Rheinland-Pfalz BestG Rheinland-Pfalz Unterscheidung zwischen Todeszeitpunkt und Auffindezeitpunkt zwingend [9]
Schleswig-Holstein Bestattungsgesetz S-H Einzige Region mit Ausnahmen für Inseln (andere geeignete Personen) [8]

Ein tiefergehendes Verständnis dieser Rechtsnormen ist für den Arzt essenziell, da die Todesbescheinigung als öffentliche Urkunde gilt.[16,17] Fehlerhafte Eintragungen oder die leichtfertige Attestierung eines natürlichen Todes ohne sorgfältige Untersuchung können nicht nur berufsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, sondern im Falle einer unterlassenen Meldung eines nicht-natürlichen Todes auch den Tatbestand der Strafvereitelung berühren.[16,18] Besonders kritisch ist die Situation in Bayern, wo durch die Novellierung der Bestattungsverordnung zum Jahr 2025 die Anforderungen an die Dokumentation und die Kennzeichnung infektiöser Verstorbener massiv verschärft wurden.[13]

2. Thanatologie: Die biologische Diagnostik des Todes

Die Transformation eines lebenden Organismus in einen Leichnam ist ein prozesshaftes Geschehen, das in verschiedenen Phasen verläuft. Für den leichenschauenden Arzt ist die Unterscheidung zwischen dem klinischen Tod, dem Hirntod und dem biologischen Tod von fundamentaler Bedeutung, um Fehldiagnosen in der Phase der Vita minima zu vermeiden.[2,19,20] Die sichere Todesfeststellung darf ausschließlich auf dem Nachweis mindestens eines sicheren Todeszeichens basieren.[1,2,12,21]

Frühe Leichenerscheinungen: Totenflecke (Livores)

Totenflecke bilden das erste sichere Zeichen des eingetretenen Todes und resultieren aus dem Sistieren der Herzarbeit. Durch die Schwerkraft sinkt das Blut in die abhängigen Körperpartien ab und füllt die Kapillaren der Haut, was zu einer lividen bis violetten Verfärbung führt.[2,7,21,22]

Die zeitliche Dynamik der Livores erlaubt dem erfahrenen Untersucher eine erste Einschätzung des Todeszeitpunktes sowie eine Rekonstruktion der ursprünglichen Leichenlage. Liegt ein Verstorbener beispielsweise in Rückenlage, bilden sich die Flecken am Rücken aus, wobei Druckstellen durch Kleidung oder aufliegende Körperteile (z. B. Schulterblätter, Gesäß) ausgespart bleiben.[2,20,22]

Merkmale der Totenflecke
Merkmal der Totenflecke Zeitlicher Verlauf (post mortem) Diagnostische Bedeutung
Beginn der Ausbildung 15 - 30 Minuten Frühestes sicheres Todeszeichen [7,20,22]
Volle Ausprägung 6 - 12 Stunden Maximum der hypostatischen Senkung [7,22]
Vollständige Umlagerbarkeit Bis ca. 6 Stunden Blut ist noch frei beweglich in den Gefäßen [7,12,22]
Partielle Umlagerbarkeit 6 - 12 Stunden Beginnende Hämolyse und Viskositätserhöhung [7,22]
Wegdrückbarkeit (Fingerdruck) Bis ca. 20 Stunden Maß für die noch flüssige Phase des Blutes [3,7,12]
Fixierung Nach ca. 24 - 36 Stunden Diffusion des Blutfarbstoffs ins Gewebe [12,21]

Die Farbe der Totenflecke kann zudem spezifische Hinweise auf die Todesursache liefern. Hellrote bis kirschrote Flecken sind ein klassisches Anzeichen für eine Kohlenmonoxid-Vergiftung oder den Tod durch Kälteeinwirkung, während eine graubraune Färbung auf Methämoglobinbildner hindeuten kann.[2,12,22] Jede Abweichung von der typischen blau-violetten Farbe erfordert eine forensische Abklärung.[2]

Muskuläre Veränderungen: Totenstarre (Rigor mortis)

Die Totenstarre beruht auf einem biochemischen Mechanismus: Nach dem Tod versiegt die Produktion von Adenosintriphosphat (ATP). Da ATP als „Weichmacher“ für die Lösung der Bindung zwischen Aktin und Myosin in der Muskulatur benötigt wird, verharren die Filamente in einem starren Zustand.[2,20,22] Die Totenstarre folgt üblicherweise der Nysten-Regel, beginnend am Kiefergelenk und sich über den Nacken und die oberen Extremitäten bis hin zu den unteren Gliedmaßen ausbreitend.[7,20,22]

Die Ausprägung der Starre ist extrem temperaturabhängig. In warmer Umgebung kann sie bereits nach zwei Stunden voll entwickelt sein, während sie in kalter Umgebung stark verzögert auftritt.[3,12,22] Ein besonderes Augenmerk muss auf das „Brechen“ der Starre gelegt werden: Wird ein Gelenk innerhalb der ersten acht Stunden post mortem gewaltsam bewegt, kann sich die Starre erneut ausbilden, sofern noch ATP-Reserven vorhanden sind. Nach vollständiger Lösung der Starre durch autolytische Prozesse (meist nach 2 bis 3 Tagen) tritt sie nicht wieder auf.[2,7,20]

Späte Zeichen: Fäulnis und Verwesung

Fäulnis ist ein bakteriell bedingter Zersetzungsprozess, der meist im rechten Unterbauch durch die physiologische Darmflora seinen Anfang nimmt und sich durch eine grünliche Verfärbung der Haut manifestiert.[2,21,22,23] Im weiteren Verlauf kommt es zur Gasbildung (Gasdunsung), was zu einer Aufblähung des Körpers und der Bildung von Fäulnisblasen führt.[1,12,22] Für den Arzt bedeutet das Erkennen von Fäulniszeichen eine erhöhte Sorgfaltspflicht: Da Fäulnisprozesse äußere Verletzungen maskieren können, ist es oft unmöglich, einen natürlichen Tod ohne Obduktion sicher zu bescheinigen.[2,3,12]

3. Methodik der äußeren Leichenschau: Forensische Systematik

Eine qualitativ hochwertige Leichenschau ist kein flüchtiger Blick, sondern eine systematische klinische Untersuchung, die denselben Sorgfaltsmaßstäben unterliegt wie die Behandlung am Lebenden.[1,12,14] Die Untersuchung muss zwingend am vollständig entkleideten Leichnam und bei ausreichenden Lichtverhältnissen erfolgen.[1,2,8,12] Künstliches Licht ohne Tageslichtspektrum kann die Beurteilung von Totenflecken und Hautverfärbungen (z. B. Ikterus) massiv erschweren, weshalb in Zweifelsfällen eine Nachuntersuchung bei Tageslicht gefordert wird.[1,12]

Untersuchungsgang von Kopf bis Fuß

Die AWMF-Leitlinie und das Protokoll der Rechtsmedizin München fordern einen lückenlosen Untersuchungsgang.[1,12,24]

  • Kopf und Gesicht: Prüfung der behaarten Kopfhaut auf Hämatome oder Wunden. Besondere Beachtung finden die Augen: Punktförmige Blutungen (Petechien) in den Lidbindehäuten oder der Gesichtshaut sind klassische Warnsignale für eine venöse Stauung infolge einer Halskompression (Erhängen, Drosseln, Würgen).[12,22,25,26] Auch Schaumpilz vor Mund und Nase kann auf ein Lungenödem, Ertrinken oder eine Intoxikation hindeuten.[12]
  • Halsregion: Suche nach Strangfurchen, Würgemalen oder einer abnormen Beweglichkeit des Kehlkopfskeletts.[12,24,26] Bei Erhängten finden sich oft vertikale Speichelabrinnspuren, die ein wichtiges Vitalitätszeichen darstellen.[12]
  • Thorax und Abdomen: Inspektion auf Operationsnarben, Deformitäten oder Verletzungen. Die Untersuchung des Rückens durch Wenden der Leiche ist absolut obligat, um beispielsweise verborgene Einstichstellen oder Dekubitalgeschwüre zu identifizieren.[1,8,12,15]
  • Extremitäten und Genitalien: Dokumentation von Injektionsmarken (Drogenabusus), Abwehrverletzungen an den Unterarmen oder Narben früherer Suizidversuche an den Handgelenken.[12,22,25]
Die Rolle der Umgebung und Vorgeschichte

Die Leichenschau beginnt faktisch bereits am Auffindungsort.[1,12,27] Der Arzt muss die Auffindungssituation kritisch würdigen: Liegen Medikamentenpackungen oder Abschiedsbriefe bereit? Sind Spuren eines Kampfes oder Einbruchs sichtbar?[1,3,12,22] Zudem hat der Leichenschauarzt ein Auskunftsrecht gegenüber den behandelnden Ärzten und Angehörigen, um Informationen über Vorerkrankungen und den Sterbehergang zu erhalten.[1,7,8,11]

4. Klassifikation der Todesart und die Kausalkette der Todesursachen

Die Entscheidung über die Todesart ist die juristisch folgenreichste Weichenstellung im gesamten Prozess. Der Arzt muss sich zwischen drei Kategorien entscheiden: natürlich, nicht-natürlich oder ungeklärt.[7,28,29]

Definitionen und Fallstricke
  • Natürlicher Tod: Ein Tod aus ausschließlich innerer, krankhafter Ursache, der zum Zeitpunkt seines Eintretens als erwartbare Folge einer bekannten Erkrankung plausibel ist.[28,29,30,31]
  • Nicht-natürlicher Tod: Ein Tod, der durch ein von außen kommendes Ereignis (Unfall, Suizid, Delikt) verursacht oder mitverursacht wurde.[7,28,29,31] Hierbei ist die zeitliche Latenz zwischen dem Ereignis und dem Tod irrelevant. Verstirbt ein Patient Monate nach einem Sturz an einer Lungenembolie infolge der unfallbedingten Immobilität, handelt es sich um einen nicht-natürlichen Tod.[7,9,12,29,31]
  • Ungeklärte Todesart: Diese Kategorie ist zu wählen, wenn weder ein natürlicher Tod sicher attestiert werden kann noch konkrete Beweise für eine äußere Einwirkung vorliegen (z. B. plötzlicher Tod ohne Vorerkrankung oder fortgeschrittene Fäulnis).[7,24,28]
Todesart und Konsequenzen
Todesart Konsequenz für den Arzt Behördliche Reaktion
Natürlich Abschluss der Leichenschau, Aushändigung der TB Freigabe zur Bestattung
Nicht-natürlich Unverzügliche Benachrichtigung der Polizei [7,9] Ermittlungsverfahren, evtl. Obduktion
Ungeklärt Unverzügliche Benachrichtigung der Polizei [7,9,24] Ermittlungen zur Klärung der Umstände
Die wissenschaftliche Dokumentation der Todesursache

Die Todesursache muss als logische Kausalkette in Teil I der Todesbescheinigung dokumentiert werden. Die Kette beginnt bei der unmittelbaren Todesursache (Ia) und führt über Zwischenschritte zum eigentlichen Grundleiden (Ic).[7,12,16,32]

Ein klassisches Beispiel für eine korrekte Kausalkette wäre:

Ia: Akute Lungenembolie
Ib: Tiefe Beinvenenthrombose
Ic: Fraktur des Schenkelhalses bei Sturz (Grundleiden)

Die fehlerhafte Angabe von Endzuständen wie „Herz-Kreislauf-Versagen“ in Zeile Ia ist einer der häufigsten Fehler und macht die Statistik für epidemiologische Zwecke wertlos.[7,16,21,29,32]

5. Administrative Pflichten und Infektionsschutz

Über die klinische Diagnostik hinaus trägt der Arzt eine hohe Verantwortung für die Seuchenhygiene. Gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) müssen bestimmte Erkrankungen (z. B. COVID-19, Tuberkulose, MRSA) auf der Todesbescheinigung als Warnhinweis vermerkt werden.[8,13,14,30] Dies dient dem Schutz aller Personen, die später mit der Leiche in Kontakt kommen, wie Bestatter, Leichenwäscher oder Friedhofspersonal.[13,16,30]

Kennzeichnungspflichten und Schutzmaßnahmen

Besonders bei hochkontagiösen Infektionen sind strenge Vorgaben einzuhalten. In Bayern müssen Verstorbene mit COVID-19 namentlich benannt und der Sarg als „infektiös“ gekennzeichnet werden.[13,30] In bestimmten Fällen ist eine Einwicklung in Desinfektionsmittel-getränkte Tücher vorgeschrieben und eine Verabschiedung am offenen Sarg untersagt.[13,30] Der Arzt muss hierbei entscheiden, ob von der Leiche eine Gefahr ausgeht und welche Schutzstufe (z. B. FFP2-Maske für den Bestatter) erforderlich ist.[13,30]

6. Die Krise der Dokumentation: Analyse der Fehlerquellen

Die Qualität der ärztlichen Leichenschau in Deutschland wird in Fachkreisen kritisch diskutiert. Studien des Instituts für Rechtsmedizin Rostock haben gezeigt, dass über 90 % der Todesbescheinigungen formale oder inhaltliche Mängel aufweisen.[4,5,33]

Häufigste Fehlerkriterien
  • Formale Mängel: Fehlende Lesbarkeit, unvollständige Angaben zur Person oder zum Arzt, fehlende Unterschriften.[4,13,33]
  • Pathophysiologische Unplausibilität: Fehlende Dokumentation sicherer Todeszeichen trotz bescheinigtem Tod oder die Angabe von Fäulnis bei gleichzeitiger Erwähnung einer Reanimation.[4,16,33]
  • Klassifikationsfehler: Fehlende Meldung an die Polizei bei eindeutig nicht-natürlicher Todesart oder die Verwechslung von Todesursache und Todesart.[12,18,33,34]
  • Kodierungsfehler: Fehlende oder falsche ICD-10-Kodierung, die für die nationale Gesundheitsplanung essenziell ist.[18,29,33]

Diese Defizite resultieren oft aus Zeitdruck, mangelnder Ausbildung in Thanatologie oder einer Fehlinterpretation der Leichenschau als rein administrative Last jenseits des eigentlichen Heilauftrags.[8,34] Eine fehlerhafte Dokumentation kann jedoch fatale Folgen haben: Sie verfälscht die Mortalitätsstatistik, führt zu falschen Weichenstellungen in der Forschungspolitik und lässt im schlimmsten Fall Tötungsdelikte unentdeckt.[4,5,7,9]

7. Die digitale Transformation: Leichenschau 2.0

Um die diagnostische Sicherheit zu erhöhen und die Fehlerquote zu minimieren, gewinnen digitale Lösungen zunehmend an Bedeutung. Applikationen wie die „leichenschau.app“ setzen genau an den identifizierten Schwachstellen der papiergebundenen Dokumentation an.[6]

Innovationspotenziale digitaler Validierung
  • Prozessführung und Vollständigkeitsprüfung: Eine geführte Untersuchung stellt sicher, dass alle relevanten Körperregionen inspiziert und die sicheren Todeszeichen korrekt erfasst werden.[6] Ein „Abschicken“ des Protokolls ist erst möglich, wenn alle rechtlich geforderten Felder plausibel ausgefüllt sind.
  • Automatisierte Abrechnung und GPS-Integration: Durch die automatische Erfassung des Standorts können Wegegelder nach der GOÄ präzise berechnet und in die Rechnung integriert werden.[3,6] Dies entlastet den Arzt von administrativen Berechnungen und sorgt für eine rechtssichere Fakturierung nach Ziffer 100 oder 101.[3,6]
  • Datensicherheit und Offline-Fähigkeit: Da die Leichenschau oft an Orten ohne stabilen Internetempfang stattfindet, ist ein Offline-First-Ansatz entscheidend. Alle sensiblen Patientendaten verbleiben lokal auf dem Gerät des Arztes, was den höchsten datenschutzrechtlichen Anforderungen entspricht.[6]
  • Qualitätssicherung durch ICD-Validierung: Digitale Systeme können bei der Auswahl der Diagnosen unterstützen und sicherstellen, dass korrekte Kausalketten gebildet werden, anstatt statistisch unbrauchbare Endzustände einzutragen.[6,18,35]

8. Fazit und strategische Empfehlungen

Die ärztliche Leichenschau ist ein Akt höchster ärztlicher Verantwortung, der weit über die bloße Ausstellung eines Dokuments hinausgeht.[1,12] Angesichts der komplexen Rechtslage und der nachgewiesenen Fehleranfälligkeit in der Breite ist eine Professionalisierung dieses Bereichs unumgänglich.

Der leichenschauende Arzt sollte sich stets der drei Säulen der Untersuchung bewusst sein: die medizinische Sicherheit bei der Todesfeststellung [1,2], die forensische Wachsamkeit bei der Todesart-Klassifikation [7,28] und die administrative Sorgfalt bei der Dokumentation.[32,33] Die Integration technologischer Hilfsmittel wie der „leichenschau.app“ bietet hierbei eine signifikante Unterstützung, um den Prozess von einer fehleranfälligen Routineaufgabe zu einer qualitätsgesicherten medizinischen Dokumentation zu transformieren.[6,18] In einem Gesundheitssystem, das zunehmend auf validen Daten basiert, ist die korrekte Durchführung der Leichenschau nicht nur eine rechtliche Pflicht, sondern auch ein Dienst an der Gesellschaft und der Wissenschaft.[3,5,7,35]

Quellen

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  1. AWMF online Regeln zur Durchführung der ärztlichen Leichenschau
  2. Todesfeststellung - DocCheck Flexikon
  3. The post-mortem examination — current issues - PMC - NIH
  4. Rostock: Totenscheine sind zumeist fehlerhaft – News - Deutsches Ärzteblatt
  5. Die meisten Todesbescheinigungen weisen Fehler auf - Universität Rostock
  6. Leichenschau Bayern
  7. Durchführung der ärztlichen Leichenschau gemäß S1 ... - BfArM
  8. Ärztliche Leichenschau und Todesbescheinigung - Ärztekammer ...
  9. Ärztliche Leichenschau – Kritik, Diskussionen und ein Ausweg? - Landesärztekammer Rheinland-Pfalz
  10. Bestattungsgesetze - Rechte & Pflichten - Todesfall-Checkliste.de
  11. Kurzüberblick zu BestattGen der einzelnen Bundesländer - Die Rettungsaffen
  12. Regeln zur Durchführung der ärztlichen ... - AWMF Leitlinien
  13. Informationen zur ärztlichen Leichenschau | Bayerische ...
  14. Änderung der Durchführungsverordnung zum Berliner Bestattungsgesetz
  15. BestV: § 3 Durchführung der Leichenschau und Todesbescheinigung - Bayern.Recht
  16. Durchführung der ärztlichen Leichenschau und Ausstellen von Totenscheinen - Landeshauptstadt Potsdam
  17. Todesfeststellung und Leichenschau - A&I Online - Anästhesiologie ...
  18. Möglichkeiten der Rechtsmedizin zur Qualitätsverbesserung der obligatorischen ärztlichen Leichenschau durch die Kontrolle der Todesbescheinigungen - Springer Medizin
  19. Tod - DocCheck Flexikon
  20. Todeszeichen - sichere - unsichere - Leichengift - Betanet.de
  21. Ärztliche Leichenschau, §§ 20 ff. BestattG - Lecturio
  22. Die Leichenschau
  23. Leichenschau
  24. Ärztlichen Leichenschau
  25. Die rechtsmedizinische Leichenöffnung - AWMF Leitlinien
  26. Erhängen - DocCheck Flexikon
  27. Leichenschau - DocCheck Flexikon
  28. Merkblatt ärztliche Leichenschau - irm.unibe.ch
  29. Merkblatt – Ausfüllhilfe für den „vertraulichen Teil“ der Todesbescheinigung
  30. Merkblatt - Landeshauptstadt München
  31. Merkblatt ärztliche Leichenschau - irm.unibe.ch
  32. Freistaat Bayern (weiß) Todesbescheinigung
  33. (PDF) Fehler bei der Ausstellung der Todesbescheinigung - ResearchGate
  34. Leichenschau und Todesbescheinigung durch den Hausarzt: Probleme beim Bescheinigen vor Ort - BfArM
  35. Todesursachenstatistik - BfArM

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Stand: 05. Januar 2026

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